logo7.gifFriedrich-Karl Praetorius

 
 

Lexikon:
Der Deutschsprachigen Gegenwarts-Literatur.

Praetorius, Friedrich-Karl, wurde 6.1.1952 in Hamburg geboren. Von 1959 bis 1972 besuchte er die Hamburger Schauspielschule, die er mit Diplom abschloss. Von 1972 bis 1978 arbeitete er eng mit Peter Zadek in Bochum und Hamburg zusammen. 1978 bis 1982 wurde er beim Berliner Theatertreffen jeweils zum BESTEN SCHAUSPIELER des Jahres gewählt. Von da an war er durchgehend an den großen deutschsprachigen Bühnen wie Hamburg, Berlin, Wien, München engagiert. Daneben drehte er zahlreiche Fernsehserien, Fernseh- und Kinofilme; er arbeitete auch als bildender Künstler mit eigenen Ausstellungen. Praetorius lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.

Mit elf Liebesbriefen an seine spanische Carmen, Liebe Carmen (1993), ließ Praetorius erstmals die Lesergemeinde an seinen hintersinnigen Gedanken-Spielereien teilhaben. Es handelt sich um Briefe, die von der Unmöglichkeit berichten, Liebesbriefe schreiben, ja Gefühle überhaupt in Sprache übersetzen zu können. Und doch gefällt sich der verschmitze Absender im exzessiven Spiel mit Worten; In leichter Schräglage, witzig und doppelbödig, übertreibt er zuweilen das prätentiöse Spiel in seinem >Hunger nach großem Gefühl, das ich dir übermitteln wollte<. Doch Papier ist geduldig und die Geliebte weit weg, sodass die Flucht in die Worte und Passionen für andere Frauen nicht stören, auch wenn er beteuert, das >dein Geist, Carmen, so präsent ist, dass er Konturen in mein Leben bringt<. Als ihn die Spanierin dann in Frankfurt besucht, wird ihm schlagartig klar, was der Unterschied zwischen Literatur und Leben ist: Beim Schreiben in alles glatt.

Charmant - bissig sind auch die Kommentare aus dem Reisebuch für den Menschenfeind (1993) über die leiden des Individualreisenden im Zeitalter des Massentourismus. Abseits von ausgetrampelten Pfaden die kleine Oase, den > Originalschauplatz < für sich zu entdecken, ist der Wunschtraum dieses Globetrotters mit dem Alternativreiseführer im Gepäck. Diesen Wunsch teilt er mit Millionen anderen. Deshalb muss sich der feinnervige Reisearistokrat auf seine Reisen nach Fernost, Südeuropa oder einfach nur nach Bad Godesberg jedes Mal furchtbar aufregen und dann die Flucht vor Lärm und Nepp ergreifen. So bleibt nur die Alternative in eine völlig langweilige Gegend fahren und sich, > ohne, sich dabei frivol vorzukommen< gelassen dem Reiz der Eintönigkeit hinzugeben. Spott, schwarzer Humor und die neckische Lust am Tabubruch (S. Diehl) kennzeichnen auch Praetorius` Theaterstücke. In Sein oder Nichtsein (1995), Alzheimer Roulette (1998) und die Frauenfalle (1999) nimmt er die eigene Theaterzunft aufs Korn, exekutiert mit drastischer Komik die Themen Sterben und Mutterliebe und macht sich mit bizzarem personal und doppeldeutigen Dialogen über Sex und Seitensprüngen lustig. Doch diese mit Kalauern gespickten und Hohn und Spot kübelweise ausschüttenden, teilweiser aberwitzigen Texte erreichen mancher Inszenierung laut Kritik nur das Niveau mühsamen Herrenwitzes (Peter Iden).

Die ungebrochene Lust an Provokation offenbart auch der 2001 erschienen Roman der Mann mit der Sichel, in dem Lebensläufe eines Flugkapitäns, eines Drogenfahnders und eines Arztes unversehens ins rutschen kommen. Besessen von ihren Wahnvorstellungen landen sie am Ende in der Psychiatrie – ein scherzhafter Warnschuss für alle sich in der Midlifecrisis Befindlichen.
Thomas Kraft

Werke: Liebe Carmen, Frankfurt am Main. 1993; Reisebuch für einen Menschenfeind: Die Freuden der Misanthropie. Frankfurt a. M. 1993;

Sein oder Nichtsein. Lebensbericht einer Leiche, Frankfurt a. M. 1995;

Alzheimer Roulette; Uraufführung Frankfurt am Main 1998

Die Frauenfalle; Uraufführung Frankfurt a. M. 1999

Stücke und Materialien, 2000; Wildgruber oder Schluss mit dem Theater, Theaterstück. Erstlesung Berlin 2000

Der Mann mit der Sichel, Roman, 2001








 

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