logo7.gifFriedrich-Karl Praetorius

 
 

   *Peter Zadek: NACKT*

von Luigi Pirandello



Mit: Brigitte Janner, Nikolai Kinski, Friedhelm Ptok,
Friedrich Carl Praetorius, Annett Renneberg, u.a.

Regie: Peter Zadek
Ausstattung: Karl Kneidl

Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
und dem Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen


Zum ersten Mal wird Peter Zadek, der lange in Italien gelebt hat, ein Stück des 1936 gestorbenen Autor Luigi Pirandello inszenieren, des berühmtesten neueren italienischen Dramatikers.

Ein älterer Dichter hat das junge Mädchen Ersilia nach einem Selbstmordversuch von der Straße aufgelesen. Er hofft, mit ihr vielleicht den Roman seines Alters zu erleben, den er noch schreiben will. Sie hingegen hat ihr Leben, das wirklich wie aus einem Roman scheint, bereits einem Journalisten erzählt: Ersilia, so erfahren wir von zwei weiteren Anwärtern auf ihre Liebe, wurde von dem Marineleutnant Laspiga schmählich verlassen und anschließend als leichte Beute in ihrem Kummer verführt von Konsul Grotti, ihrem Arbeitgeber. Grottis Gattin erwischte die beiden in flagranti, währenddessen fand die kleine Tochter den Tod und das Kindermädchen Ersilia musste dafür gerade stehen. Pirandello und seine Figur Ersilia kratzen von diesem Melodram Schicht für Schicht ab. Nichts stimmt.

Alle Figuren versuchen vergeblich, ihre Blöße, ihre "Nacktheit" mit Illusionen zu bedecken und Ersilia fungiert als Auslöser einer tiefen Krise der männlichen Figuren und sie selbst, die sich eher gleichgültig auf der Straße verkaufte, erkennt, dass sie sich nicht auf ihre Rolle als Opfer berufen kann und wählt den Freitod.

Es gibt kein Wertesystem von Liebe und Barmherzigkeit, das sich nicht als Illusion und groteske Vermarktung entpuppte. Die Figuren Pirandellos erfahren, wie sie sich selbst ständig entgleiten, erleben sich als bedeutungslos und eben dieses Eingeständnis ihrer Leere macht sie für uns heute so schillernd interessant.


Premiere: 4. April 2008, 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen: 5. und 6. April 2008, 20.00 Uhr, 8. bis 29. April, täglich außer Montag jeweils 20.00 Uhr, sonntags, 19.00 Uhr



Probenbeginn für Friedrich-Karl Praetorius
(18.02.08) Am 18. Februar ist für den bekannten Schauspieler Probenbeginn. Allerdings nicht bei den Bad Hersfelder Festspielen, wo er diesen Sommer auf der Bühne der Stiftsruine stehen wird, sondern in Hamburg. Friedrich-Karl Praetorius probt mit Peter Zadek am St. Pauli-Theater "Nackt", eine bearbeitete Fassung des Pirandello-Stückes. "Die Nackten kleiden", das am 4. April Premiere haben wird.

Praetorius spielt den älteren Dichter, der das junge Mädchen Ersilia nach einem Selbstmordversuch von der Straße aufliest und hofft, mit ihr den Roman seines Alters zu erleben, den er noch schreiben will. Aber natürlich kommt alles anders, keine Figur des Stückes ist, was sie zu sein vorgibt, alle versuchen vergeblich, ihre Blöße, ihre "Nacktheit" mit Illusionen zu bedecken.

Ein typischer Pirandello, fast so etwas wie eine Neuauflage, eine Variante von "Sechs Personen suchen einen Autor", dem wohl bekanntesten Stück des italienischen Autors.

Für Praetorius ist es eine Fortsetzung seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Altmeister Peter Zadek, bevor er am 28. April mit der Probenarbeit für Bad Hersfeld beginnt. Er spielt bei den Festspielen 2008 den Pater Lorenzo in Arie Zingers Inszenierung von "Romeo und Julia", Premiere 18. Juni. Friedrich-Karl Praetorius, im Sommer 2008 Ensemblemitglied der Bad Hersfelder Festspiele.


 Cooles Rock-Rumpelstilzchen

*HAMBURG* -

Die heiße Show hätte Ulrich Wildgruber genossen. Der in seinem Namen gekürte Preisträger Alexander Scheer ließ blitzschnell das steife Zeremoniell des fünften Neujahrsempfangs im St.-Pauli-Theater in ein Rock-Konzert umkippen. Nachdem er sich artig, doch lässig "Engdeutsch" sampelnd beim Vorstand der Nordmetall-Stiftung Thomas Klischan bedankt hatte, sang er mit seinen "Boys" Lou Reeds Velvet-Underground-Hit "Sweet Jane" - und verlor sofort den Textfaden. Federleicht hüpfendes Rock-Rumpelstilzchen, das Scheer ist, verzauberte er mit lässigem Charme improvisierend den "Hänger" zur Extra-Nummer - stets der supercoole Seiltänzer, haarscharf vorbei am peinlichen Absturz.

Wo Scheer auftritt, sorgt er für Aufregung. Wegen des verspäteten Sound-Checks scharrte die feine Matinee-Gesellschaft auf dem Spielbudenplatz wartend mit den Füßen. "Wenn Hamburger Hochfinanz Berliner Underground trifft, wird's ein toller Mittag", frotzelte später Kabarettist Matthias Deutschmann - ebenfalls ein Meister des Extempores auf satirischem Höchstniveau.

In der Laudatio konnte Tom Stromberg, bis 2005 Intendant des Deutschen Schauspielhauses, ein Lied von spektakulären Scheer-Pannen singen, jubelte zugleich aber auch hingerissen: "Ein wunderbarer, chaotischer und in diesem Chaos professioneller Schauspieler." Was immer er spiele <http://www.abendblatt.de/daten/2008/01/28/841418.html#>, den Kostja, Leonce oder "Schuhcreme-Othello", Scheer sei zuerst Scheer - und dann die Figur. In diesem Sinn sei der 31 Jahre alte Bühnen- und Filmdarsteller ein wahrer Ulrich-Wildgruber-Preisträger. Nicht, weil er auch den Othello gespielt habe, sondern sich "wie Wildgruber in die Rollen ungeschützt reinschmeiße." Auch die Jury ist ausdrücklich für ihre Wahl unter den 13 Nominierungen zu loben. Scheer bekannte zwar, nach neun Jahren keinen Bock mehr auf Theater zu haben, versprach aber: "Nun muss ich weitermachen und werde es auch tun." Kommentar Deutschmann: "Ein Preis mit Bewährungsauflage."

Fortsetzen will auch das St.-Pauli-Theater seinen künstlerischen Anspruch, wie Claus Budelmann vom Förderkreis des Theaters im Blick auf die prekäre Finanzsituation der unsubventionierten Privatbühne betonte. Eine unüberhörbare Adresse an Detlef Gottschalck, den Staatsrat der Kulturbehörde, von 2009 an das Traditionshaus institutionell zu fördern.

Peter Zadek beginnt am 18. Februar mit den Proben zu "Nackt", Elisabeth Plessens Fassung von Luigi Pirandellos Schauspiel "Die Nackten kleiden", kündigte Intendant Ulrich Waller an. Friedrich Karl Praetorius, der bekannte Zadek-Spieler aus Hamburg, wie auch Friedhelm Ptok werden zu sehen sein, außerdem Annett Renneberg, die Ophelia aus Zadeks Container-"Hamlet", und zudem als Zadek-Newcomer Nikolai Kinski. Anschließend wird ein weiterer Altmeister den Kiez besuchen: Jérôme Savary, der frivole französische Theatermagier, inszeniert "Happy End" von Lane/Brecht/Weill mit Peter Lohmeyer in der Rolle des Gangsters Bill Cracker. Unter so viel alten Herren braucht's die jungen, wie Deutschmann selbstironisch anmerkte: "Scheer wirkt doch wahnsinnig anregend."








 

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